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Safeta Obhodjas
Ketten reißen nie von selbst.

Ein Hörstück über Helene Stöcker
Gelesen von: Sabine Paas und Caroline Keufen
Musik: Reinald Noisten
CD; 2009; 55 min.; EUR 12,50;
ISBN: 978-3-935421-39-3

Collage CD-Cover: Ulle Hees
Mitarbeit im Studio: Slavica Vlahovic
Gefördert durch: Dr. Werner-Jackstädt-Stiftung und Stadtsparkasse Wuppertal
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Helene, eine Philosophin aus dem vorigen Jahrhundert und eine Literatin von Heute, Safeta, führen einen Dialog

Zwei Frauen treffen sich in Wuppertal und kommen miteinander ins Gespräch. Beide haben ein bewegtes Leben hinter sich, beide sind emanzipiert-widerständige Intellektuelle, engagieren sich politisch, arbeiten als Journalistinnen und Schriftstellerinnen und: beide kennen das Schicksal des Exils. Die eine kommt mit knapp über 40 als Flüchtling aus Bosnien nach Wuppertal, die andere verlässt bereits mit 22 Jahren ihre Geburtsstadt an der Wupper und muss später vor den Nazis aus Deutschland fliehen. Der philosophische Diskurs dieser Frauen ist zwar ein fiktiver, denn beide haben einander in Realität nie getroffen, dennoch könnte ihr Gespräch so stattgefunden haben.
Inhalt:

Szene 1 (13:33 min.) Hörprobe

Szene 2 (16:01 min.) Hörprobe

Szene 3 (11:32 min.) Hörprobe

Szene 4 (07:49 min.) Hörprobe

Szene 5 (06:41min.) Hörprobe


Leseprobe



Safeta Obhodjas
Safeta Obhodjas ist eine von vielen bosnischen Schriftstellern und Intellektuellen, die wegen der »ethnischen Säuberung«, die in ihrer Heimat zwischen 1992-1995 stattgefunden hatten, die Rettung im Exil suchen mussten. Sie wurde 1951 in Pale, in der Nähe von Sarajevo, in einer bosnisch-muslimischen Familie geboren. Sie hat in Sarajevo studiert und gearbeitet und mit ihrer Familie in Pale gelebt. Zwischen 1980-92 hat sie mehrere Hörspiele, Erzählungen und das Buch »Die Frau und das Geheimnis« veröffentlicht. Im Jahr 1992 wurde sie mit ihrer Familie aus ihrer Heimat vertrieben. Seitdem lebt sie in Deutschland, in Wuppertal (NRW).
In Bosnien ist nicht mehr präsent, in den Medien dort wird sie nicht erwähnt, niemand hat je eine Besprechung geschrieben; dennoch ist ihr Buch "Die Bauchtänzerin" in der bosnischen Volks-Universitätsbibliothek auf dem zweiten Platz als "das meist gelesene Buch" der Bibliothek ist zu finden....

Werke (Auswahl der deutschprachigen Veröffentlichungen):
1995 Hana. Roman, Melina Verlag, Ratingen
1996 Das Geheimnis – die Frau. Erzählungen, Melina Verlag
1997 Rache und Illusion, Roman, Melina Verlag
1998 Scheherazade im Winterland, Roman, MelinaVerlag
2007 Legenden und Staub, LIT Verlag, Münster
2009 Frauen aus der Karawane Sinais, NordPark Verlag, Wuppertal
Kontakt:
www.safetaobhodjas.de
Helene Stöcker
geb. am 13. 11. 1869 in Elberfeld (heute: Wuppertal), übersiedelt 1892 nach Berlin, wo sie sich der Frauenbewegung anschließt und in ein Lehrerinnenseminar eintritt. 1893 erscheint in der Zeitschrift "Freie Bühne" ihr erster Aufsatz "Die moderne Frau", in dem sie das Leitbild der selbstbewussten, wirtschaftlich unabhängigen und dem Mann in keiner Weise untergeordneten Frau entwirft. Nachdem an der Berliner Universität Frauen als Gasthörerinnen zugelassen sind, belegt Helene Stöcker Vorlesungen in den Fächern Literaturgeschichte, Philosophie und Nationalökonomie und promoviert 1901 an der Universität Bern über das Thema "Zur Kunstanschauung des XVIII. Jahrhunderts. Von Winckelmann bis Wackenroder". 1904 übernimmt Stöcker die Redaktion der Zeitschrift "Frauenrundschau" und ist von 1905-1932 Herausgeberin der Zeitschrift "Mutterschutz", in der sie sich unermüdlich für die Rechte der ledigen Mütter und eine Verbesserung ihrer rechtlichen und sozialen Lage engagiert und ihre Vorstellungen einer "neuen Ethik" propagiert, deren Grundlage das Selbstbestimmungsrecht der Frau über ihren Körper und ihre Sexualität bildet. 1933 flieht die überzeugte Pazifistin, Frauenrechtlerin, Philosophin und Publizistin nach Zürich. 1937/38 werden ihr Doktorwürde und Staatsbürgerschaft von den Nationalsozialisten aberkannt, ihre Kontoguthaben beschlagnahmt und ihre Schriften vernichtet. 1940 übersiedelt Stöcker nach Schweden und geht anschließend über die Sowjetunion ins US-amerikanische Exil. Dort arbeitet sie intensiv an ihrer Autobiographie, die sie jedoch nicht mehr vollenden kann. 1943 stirbt Helene Stöcker im Alter von 73 Jahren in New York.
Helene im Internet: Wikipedia

Sabine Paas
lebt und arbeitet als Schauspielerin, Sprecherin und Chansonsängerin in Köln. Neben ihrer Tätigkeit für verschiedene Theater, Hörspiele sowie Rundfunk- und Fernsehsender gründete sie 1999 das Lese und Rezensionstehater "Lesen & Lauschen", mit dem sie eigene musikalisch-literarische Programme entwickelt. Seit 2006 ererbeitet sie darüber hinaus unter dem Titel "Das kleine Musiktheater" verschiedene Chansonprogramme.

Caroline Keufen
entwickelt und realisiert seit Abschluß ihres Schauspielstudiums an der Theaterakademie Ulm Theater-, Musik-, Tanz-, Video- und Kunstprojekte in spartenübergreifenden Kooperationen. Seit 2001 entstehen Ortsbegehungen, Freiluftinszenierungen, Soloperformances und Walkacts. Regelmäßig tritt sie mit Literaturprogrammen auf und arbeitet als Sprecherin und Moderatorin.

Reinald Noisten
Studium der Klarinette an der Musikhochschule Köln. Teilnahme an verschiedenen Meisterkursen, u. a. bei Giora Feidman, Brave old world. Rege Konzerttätigkeit mit der Klezmerband Ensemble Noisten im In- und Ausland. CD- und Hörbuchproduktionen. Musikalisch improvisierte Begleitung von LEsungen u.q. mit Hannelore und Nina Hoger. Mehr unter www.ensemble-noisten.de/


Leseprobe


SZENE I

Musik
Man hört eine Frauenstimme, die Namen murmelt...Rascheln von Papier...Umblättern usw.

Safeta: Anna Achmatova... Mariama Ba... Djamila Bouhiren... Lily Braun... Milena Jesenska... Berta Pappenheim...Helene Lange...Ah, ah, da ist sie ja: Helene Stöcker, geboren in Wuppertal. Höhere-Töchter-Schule. Studium der Literaturwissenschaft in Berlin. Erste promovierte Philosophin Deutschlands. Bund für Mutterschutz... Flucht vor den Nazis über die Schweiz, Schweden, Russland nach Amerika.

Helene: (unterbricht) Bist du bald fertig?

Safeta: Helene, kannst du mich hören?!

Helene: (irritiert) Du bist nicht zu überhören... Und du willst doch auch gehört werden?! Wer sind diese Frauen, die du gerade genannt hast? Einige Namen kenne ich, aber...

Safeta: (lacht) Deine Nachbarinnen im ”Lexikon der Rebellinnen”.

Helene: „Lexikon der Rebellinnen“. Donnerwetter! Ich bin also als Rebellin in die Geschichte eingegangen... Ach übrigens, etwas hast du in deiner Beschreibung meines Werdeganges vergessen: Meine Arbeit als radikale Pazifistin nach dem Ersten Weltkrieg... und zwar ohne parteiliche und weltanschauliche Bindung... Darauf lege ich großen Wert!

Safeta: Entschuldige...

Helene: Ist schon gut

Safeta: In dieser Bibliothek habe ich übrigens einige Bücher von dir und über dich entdeckt...

Helene: Bücher über mich? Erzähl mir kein Märchen. Und was machst du? Bist du etwa auch als eine Rebellin... Bist du auch in diesem Lexikon vertreten?

Safeta: (verlegen) Ach, nein. Ich gehöre nicht dazu. (ironisch) Auf dem Balkan leben nur brave Frauen. Ich habe nachgeschaut. Wir haben keine einzige Vertreterin im ”Lexikon der Rebellinnen”. Ist das nicht traurig?

Helene: (ironisch) Ach, und deswegen hast du mich geweckt! (ironisch) Damit du eine Zuhörerin für dein Klagen hast. Aber ich weigere mich, immer demselben Jammer der Frauen zu zuhören.

Safeta: (gekränkt) Ich muss mit jemandem reden. Ich bin es leid, immer alleine an meinem Schreibtisch im Lesesaal zu hocken.

Helene: (ironisch) Jetzt übertreib' mal nicht! Ich habe dich beobachtet: du willst doch alleine sein – du versteckst dich hinter einem Bücherstapel und grübelst und grübelst! Bist du etwa auch eine Philosophin?

Safeta: Nein. Meine Biographie kannst du bei Wikipedia lesen.

Helene: Wiki...was?

Safeta: Wikipedia – das Lexikon unserer Zeit. Im Internet.

Helene: Wo ist dieses Buch?

Safeta: Das ist kein Buch. Schau hier auf den Bildschirm!

Helene: Bildschirm? Hmm (liest) S a f e t a O b h o d j a s Schriftstellerin. 1951 in Pale bei Sarajevo in eine bosnisch-muslimische Familie hineingeboren. Arbeitete in Sarajevo als freie Journalistin und Schriftstellerin. Aufgrund der ethnischern Säuberung floh sie 1992 mit ihrer Familie nach Deutschland. Sie ist mit Werken in bosnischer und deutscher Sprache hervorgetreten, die sich mit der Problematik der Frau zwischen den Kulturen befassen.

Safeta: (lacht) Du bist also in guter Gesellschaft!

Helene: Bin ich auch in diesem Internet zu finden?

Safeta: Ja, natürlich. Aber unser Dialog fing durch ein altes Buch mit deinen Texten an. Eine Philosophin aus dem vorigen Jahrhundert und eine Literatin von Heute...

Helene: (unterbricht) ...führen einen Dialog. Wie machen wir das, bitte?

Safeta: Das weiß ich noch nicht. Wir können mit unserer Lieblingslektüre anfangen...

Helene: In der Bibliothek? Das ist langweilig!

Safeta : Dann schlage ich vor, wir machen einen Spaziergang durch Wuppertal. Komm’ Helene, ich zeige dir deine und meine Stadt. Du bist hier geboren, ich habe hier meine deutsche Heimat gefunden. (lacht). Und die Bücher nehmen wir einfach mit.

Helene: Warte, warte, nicht so schnell! Mein Hut sitzt ja schon auf dem Kopf. Aber wo ist meine Pelerine, wo ist mein Regenschirm?

Safeta: Brauchst du nicht! Es regnet hier nicht mehr so viel wie früher. Wir profitieren vom Klimawandel, draußen ist ein wunderschöner, sonniger Tag.

Helene: (verlegen) Klimawandel? Was redet diese Frau?

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Info:
Safeta Obhodjas

Webseite von Safeta Obhodjas

Bio-/Bibliographie:
Biographie

Bücher im NordPark Verlag:
Frauen aus der Karawane Sinais
Ketten reißen nie von selbst

Leseprobe:
Ketten reißen nie von selbst
Hörprobe



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Autorenfoto Safeta Obhodjas

(S/W, Foto: Jutta Vogel)



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