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ZIMMER
1 Das Radio bringt arabische Musik amerikanische Interviews französische Nachrichten.
Ich kann nichts verstehen. Vor der Tür: die Zeugen Jehovas der VORWERK-Vertreter der Postbote. Das Telefon klingelt. Ich melde mich nicht. 1 Sessel 2 Stühle Tante Hildes Büffet Regale die Katzen Dort saß ich gestern (Stuhl, Boden) und versuchte nicht zu denken. (Es fiel nicht schwer) Auf dem Teppich versuchte ich: NICHT EINZUSCHLAFEN (Nun ist der Pullover voller Katzenhaare) Ficus Benjamini Leere Weinflaschen Alte Vorsätze 7 angefangene Romane die die Literatur verändern sollten. Eine dicke Kladde früher Gedichte (zum Fürchten) 20 Jugendfotos mit Lachen und Hohlkreuz.
2 Leere Zimmer und flaue Nachmittage wie Tee mit Zimt. Zu laut tickende Wecker und tropfende Wasserhähne, nachts. Schritte auf der Treppe, die plötzlich verharren: kein Schlüssel klimpert keine Tür geht kein Klingelknopf wird gedrückt niemand schiebt Werbung unter die Tür. Ich atme vorsichtig. Ich schleiche auf Strümpfen. Ich bin nicht zu Hause. (Hilfe).
3
Ein Hort peinlicher Katastrophen. Im Bad platzt das Wasserrohr. Die Rollade klemmt oder rasselt herunter. Der Toast springt heraus und zerschlägt eine Glühbirne. Manchmal möchte ich raus hier. Stimmen über mir nebenan unter mir schrill flüsternd erregt Gegen mich? War ich freundlich genug im Treppenhaus? Sind die Fenster ordentlich geputzt? Stand mein Mülleimer im Weg? War ich mit Putzen dran? Im Bad höre ich die Signalhupe vom Güterbahnhof (das bedeutet, der Wind hat sich gedreht) und ein Knallen in der Wasserleitung (die über mir waschen wieder) Im Wohnzimmer knarrt das Parkett. Im Erker knacken die Fenster. In der Küche fällt Putz von der Decke. Es klingelt an der Tür. Jemand klopft an die Wand.
Das Telefon läutet. Es pocht am Fenster. Ist das Radio zu laut? Ich stelle es leiser. Man hört mich nicht mehr. Ich bin sehr ruhig. Ich falle nicht auf. Man soll mich vergessen. Ich bin nicht zu Hause. Ich ... (Hallo. Hallo?)
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