Totengräber

TOTENGRÄBER

Ich mähte den Rasen und hob die Gräber aus
im Herbst kehrte ich Tonnen von Laub zusammen
im Winter kratzte ich Schnee von den Wegen
im Frühling riß ich Unkraut aus.

Ein Jahr nahe an der Natur und an den Toten
wir ließen Särge hinunter vor riesigen Trauerscharen
oder mit niemandem sonst als dem Toten
und der Einsamkeit seiner letzten Jahre.

Der Regen den man auf der Haut spürte
war ein anderer als der beim Blick aus einem Bürofenster
mit modischen Schuhen an den Füßen
und Freizeitplänen für Shorts und Cabriolets.

Die harten Wintertage mit Feuer auf dem Boden
um Gräber zu schaufeln aus dem gefrorenen Erdreich
waren gewürzt mit der Thermoskanne des Vorarbeiters
gefüllt mit stärkstem Friedhofsgrog.

Die Jahreszeiten hatten ihre festen Arbeiten
und es war bedeutsam beteiligt zu sein
an den elementarsten Dingen des Lebens
dem Tod und der Trauer
der Erde dem Wachsen dem Vergehen
der Hornhaut den Muskeln dem Gefühl für den Körper.

Aber ich arbeitete nicht wie ein Bauer
ich schuf nichts als vorübergehende Behausungen
für verwesendes Fleisch
und bald merkte ich daß Tod und Trauer
nicht immer zusammenhängen.

Auf dem Weg zum offenen Grab
wurde hinter uns das Erbe verschachert
die Verwandtschaft stritt miteinander
über die Kosten von Leid und Tod
Bestatter berechneten mehr als sie leisteten
und Trauernde versteckten Kränze aus Neid.

Ich stellte fest daß Routine Mitgefühl zerstört
und hatte den Respekt vor dem Tod verloren
ohne leben zu lernen
und im Frühling mit dem ersten Unkraut
verließ ich den Friedhof
um woanders zu suchen.