|
TOTENGRÄBER
Ich mähte den Rasen und hob die Gräber aus im Herbst kehrte ich Tonnen von Laub zusammen im Winter kratzte ich Schnee von den Wegen im Frühling riß ich Unkraut aus.
Ein Jahr nahe an der Natur und an den Toten wir ließen Särge hinunter vor riesigen Trauerscharen oder mit niemandem sonst als dem Toten und der Einsamkeit seiner letzten Jahre.
Der Regen den man auf der Haut spürte war ein anderer als der beim Blick aus einem Bürofenster mit modischen Schuhen an den Füßen und Freizeitplänen für Shorts und Cabriolets.
Die harten Wintertage mit Feuer auf dem Boden um Gräber zu schaufeln aus dem gefrorenen Erdreich waren gewürzt mit der Thermoskanne des Vorarbeiters gefüllt mit stärkstem Friedhofsgrog.
Die Jahreszeiten hatten ihre festen Arbeiten und es war bedeutsam beteiligt zu sein an den elementarsten Dingen des Lebens dem Tod und der Trauer der Erde dem Wachsen dem Vergehen der Hornhaut den Muskeln dem Gefühl für den Körper.
Aber ich arbeitete nicht wie ein Bauer ich schuf nichts als vorübergehende Behausungen für verwesendes Fleisch und bald merkte ich daß Tod und Trauer nicht immer zusammenhängen.
Auf dem Weg zum offenen Grab wurde hinter uns das Erbe verschachert die Verwandtschaft stritt miteinander über die Kosten von Leid und Tod Bestatter berechneten mehr als sie leisteten und Trauernde versteckten Kränze aus Neid.
Ich stellte fest daß Routine Mitgefühl zerstört und hatte den Respekt vor dem Tod verloren ohne leben zu lernen und im Frühling mit dem ersten Unkraut verließ ich den Friedhof um woanders zu suchen.
|